 | Aquashow, Elliott Murphy’s Debütalbum, wurde im November 1973 auf Polydor
veröffentlicht. Außergewöhnliche Reaktionen folgten auf dem Fuß, und Artikel erschienen in Rolling Stone,
Newsweek, The New Yorker und anderswo. Seine Musik wurde sowohl im Fernsehen als auch im Radio gespielt, und er wurde zum neuen Dylan gekrönt, zum neuen Lou Reed und zum F. Scott Fitzgerald des Rock’n’Roll. Aber wie so vielen neuen und echten Künstlern vergaßen die Medien, ihn so zu sehen, wie er war - als Elliott Murphy, und nicht wie irgendjemand. Was er war - und nach mehr als 25 Jahren noch immer ist - ist ein außergewöhnlicher Songwriter, ein aggressiver Sänger und ein talentierter Gitarrist; ein aufopfernder Musiker, immer “on the road”, der zu seiner eigenen musikalischen Vision seit nunmehr 17 Alben steht.
Die mittlerweile zu Klassikern gewordenen Alben Lost Generation und Night Lights auf RCA folgten 1975 und 1976, Just A Story From America auf Columbia im Jahre 1977. 1980 veröffentlichte Murphy die 6-Song-EP Affairs auf seinem eigenen Label und begann, regelmäßig in Europa auf Tour zu gehen. “Ich wußte nicht, ob mich überhaupt jemand kannte,” sagt er rückblickend, “bis ich in Paris mein erstes Konzert gab und sechs Zugaben geben mußte.” Weitere Alben folgten: Murph The Surf (1982), Party Girls/Broken Poets (1984 - nominiert für einen New York Music Award) und 1986 das wuchtige Milwaukee, produziert vom ex-Talking Head Jerry Harrison, gefolgt von Change Will Come und 1989 von einem langerwarteten Livealbum, Hot Point, mit “special guest” Chris Spedding an der Leadgitarre.
Nachdem er 1990 nach Paris gezogen war, veröffentlichte Murphy die sehr persönliche 24-Song-CD 12 (erschienen in den USA unter dem Titel Unreal City). Ständiges Interesse an seinen früheren Werken sorgten für insgesamt drei Best-Of-Compilations, Paris/New York, Diamonds By The Yard und erst kürzlich Going Through Something (78-92). Selling The Gold aus dem Jahr 1995 sah Murphy mit einem beeindruckenden neuen Team an Musikern: Andy Newmark (Roxy Music) am Schlagzeug; Chucho Merchan (Eurythmics) am Bass; Luis Jardim (Rolling Stones) an den Percussioninstrumenten und ganz speziellen Gästen wie Bruce Springsteen oder The Violent Femmes.
Sein neuestes Album Beauregard markiert eine Rückkehr zu einem intimeren akustischen Sound und einer Band mit akustischen Gitarren, Bass, Mandoline, Violine und Schlagzeug. Es ist sein bisher provokativstes und lyrischstes Album, was Story-Songs wie “Sonny”, “Small Room” und “Somebodies Anniversaries” oder das radiofreundliche “Hard-Core” bestens demonstrieren. “Literatur ist meine Religion,” sagte Murphy kürzlich in einer TV-Show, “aber Rock’n’Roll ist meine Sucht.” Der kristallklare Sound des Albums, mit ein Verdienst des neuartigen HDCD-Masterings, orientiert sich vor allem auf Murphy’s unglaublich ausdrucksstarke Stimme, die sich im Laufe der Zeit nur in Charakter, Tiefe und Nuance verändert hat. Sowohl die langjährigen Fans als auch die “Neueinsteiger” in die Welt des Elliott Murphy werden Beauregard als ein vielschichtiges Werk anerkennen, welches zweifellos wiederholtes Anhören verdient.
Heute lebt Elliott Murphy zusammen mit seiner Frau Francoise und seinem jungen Sohn Gaspard in Paris. Er tourt regelmäßig sowohl solo als auch mit Band, und neben seinem eindrucksvollen musikalischen Schaffen hat er Kurzgeschichten und einen Roman (Cold and Electric) in verschiedenen Sprachen veröffentlicht. Er schrieb die klassischen Liner Notes zum “69 Live”-Album von Velvet Underground, spielte eine kleine Rolle im Fellini-Film “Roma” und ist zweifellos eine der bemerkenswertesten Geschichten des Rock’n’Roll - and the story goes on...

VIDEO: ELLIOTT MURPHY TRIO - Sonny ("Red River" Heilbronn, Germany April 10, 2002)
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